Wer gute Arbeit abliefern will, braucht das richtige Werkzeug: nämlich eins, das der Aufgabe gewachsen ist, ohne ihr im Weg zu stehen. Es muß einwandfrei funktionieren und darf auf keinen Fall behindern. Nur: welches Werkzeug ist das richtige, und wie finde ich es? Die Antwort ist: Das kommt drauf an...
Der Anlaß für dieses Thema, und zugleich der Grund für die längere Funkstille hier auf megpalffy.org, ist eine interessante Erfahrung, die ich in den letzten Wochen machen durfte: der Verlust meiner gesamten vertrauten Web-Arbeitsumgebung.
Im März nämlich habe ich mein Notebook von Windows 2000 auf SuSE Linux 7.3 umgerüstet. Die kleine Kiste war nun schon zwei Jahre alt, also höchste Zeit, ihr etwas mehr Arbeitsspeicher zu gönnen. Und wenn ich schon mal dabei war, dachte ich mir, dann wäre das doch die Gelegenheit, was wirklich Spannendes zu machen: nämlich endlich Linux auszuprobieren. Das wollte ich schon lange tun, und ich fand, es paßte zur Jahreszeit: raus mit den Spinnweben, rein mit was Neuem. Abwechslung ist Trumpf!
... oder so dachte ich jedenfalls. Und dann stellte ich fest, daß mir Ulli Meybohms Phase 5 doch mehr ans Herz gewachsen war, als ich es für möglich gehalten hätte. Und noch so einige andere kleine Werkzeuge, die ich täglich benutzt hatte, ohne darüber nachzudenken. Gewohnheit, Routine, den Rechner im Schlaf bedienen...
Natürlich gibt es für Linux inzwischen eine Menge Software, die genau dieselben Aufgaben erledigt wie meine abgelegten Windows-Programme. Die SuSE-Distribution z. B. liefert Unmengen freier Software mit, die man einfach mitinstallieren kann. Meistens hat man sogar gleich die Wahl zwischen mehreren Möglichkeiten, aus denen man sich das Passende aussuchen kann: Editoren, Browser, Grafikprogramme, Archivierungsprogramme, FTP-Clients... alles da.
Nur leider: alles neu. Keine routinierten Handgriffe, keine altbekannten Macken und Bugs, denen man schon gekonnt aus dem Weg geht, keiner der üblichen Arbeitsabläufe. Mal eben schnell in einem GIF-Bild den Hintergrund transparent machen? In Paint Shop Pro wenige Handgriffe, die ich im Schlaf beherrsche - aber wie zum Teufel macht das der Gimp?
Auch in der Technischen Dokumentation gibt es eine Menge verschiedener Werkzeuge für jeden denkbaren Zweck. Einige Software-Riesen sind Veteranen des Desktop Publishing (DTP) und haben sich fest in ihrer Marktnische etabliert. Daneben gibt es immer mal wieder neue Software aus kleineren Firmen, die den Großen mit pfiffigen Ideen Marktanteile streitig machen.
Wenn man Berufskollegen fragt, bekommt man die unterschiedlichsten Antworten. Denn natürlich hat jeder seine Vorlieben - je nach Arbeitsstil, und je nach den persönlichen Erfahrungen. Was der eine in den Himmel lobt, kann für den anderen die Hölle sein.
Also: Wie finde ich das richtige Werkzeug für mein Projekt?
Auf diese Frage gibt es keine allgemein gültige Antwort. Aber es gibt ein paar bewährte Wege, die Dich in die richtige Richtung führen können:
Es schadet nicht, wenn Du trotz aller professionellen Routine gelegentlich mal ungewöhnliche Wege gehst, auch wenn es zuerst etwas schwerer fällt. Der Mensch hängt an seinen Gewohnheiten - aber er lernt vor allem aus den kleinen und großen Katastropen. Und das Lernen geht manchmal schneller, als Du denkst: inzwischen habe ich einen neuen HTML-Editor gefunden, FTP klappt auch - und schon merke ich, wie mir Linux täglich "normaler" vorkommt.
Du brauchst ja nicht gleich Linux zu installieren - jedenfalls kann ich das für den Bereich des Desktop Publishing zur Zeit noch nicht empfehlen. Aber gönn Dir ruhig mal den einen oder anderen freiwilligen Kulturschock - das erfrischt. ;o)
© Meg Palffy 04/2002