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"Anbei sende ich Ihnen zur Korrektur..."

Wie man Auftraggeberinnen dazu bringt, die Korrekturfassung auch wirklich zu korrigieren

Niemand liest Betriebsanleitungen gerne von Anfang bis Ende gründlich durch. Deine Auftraggeberinnen sind da keine Ausnahme. Wie kannst Du sie dazu bringen, die Korrekturfassung für das neue Anwenderhandbuch wirklich zu lesen, statt es nur phlegmatisch abzunicken? Gibt's da irgendwelche Tricks? -- Na, klar gibt's welche...

Technische Redakteure können nicht alles wissen. Während der Recherche und beim Schreiben finden wir zwar eine Menge über das Produkt heraus und lernen es ganz gut kennen. Aber um sicher zu sein, daß nichts Wichtiges fehlt und daß sich keine Fehler oder Mißverständnisse eingeschlichen haben, brauchen wir am Ende doch das Urteil einer Fachfrau.

Auf der sicheren Seite sein

Du kannst es gleich zu Anfang in Dein Angebot hineinschreiben und es zur Vertragsgrundlage für den Auftrag machen: daß es einen Korrekturlauf geben wird, und daß die Auftraggeberin das Manuskript dabei auf Vollständigkeit und sachliche Richtigkeit prüfen und anschließend freigeben wird. Dann bist Du einigermaßen abgesichert, daß die Anwender alle notwendigen Informationen für den sicheren und fehlerfreien Gebrauch des Produktes bekommen.

Soweit die Theorie. Ich bin allerdings keine Juristin. Ich kenne verschiedene Dienstleister für Technische Dokumentation, die diese oder ähnliche Klauseln in ihren Angeboten verwenden. Und ich kann nur hoffen, daß diese Methode ausreicht, um uns vor der finanziellen Katastrophe zu bewahren, wenn Anwender mit den von uns verzapften Handbüchern einen Fehler machen.

But there's more to it...

Aber es geht ja nicht nur um die rechtliche Absicherung. Sonst könntest Du ja auch damit zufrieden sein, wenn die Auftraggeberin Dein Manuskript blind absegnet und freigibt, ohne es gelesen zu haben. Nein, es geht um mehr, stimmt's? Mir jedenfalls reicht das nicht.

Ich bin Perfektionistin, und auch meine Eitelkeit verlangt ihr Recht. Ich will, daß sich jemand Zeit nimmt für das, was ich in wochen- oder monatelanger Arbeit auf die Beine gestellt habe. Ich möchte, daß jemand mit den nötigen Fachkenntnissen meine Arbeit sieht und würdigt - und selbstverständlich möchte ich gelobt werden.

Aber wie stelle ich das an? Wie werde ich gelesen?

Zur Inspiration: Freundliche Tricks und Kniffe

Der beste Trick ist einer, der niemanden beleidigt und an dem beide Seiten ihren Spaß haben. Zum Beispiel:

Die meisten Menschen in der Software-Entwicklung - vor allem jüngere - haben einen ausgeprägten Spieltrieb. Also veranstalte ich manchmal ein Quiz und setze eine kleine Belohnung aus: "In dieser Korrekturfassung habe ich zehn Fehler versteckt. Wer sie findet und mir die Liste per E-Mail schickt, bekommt ein Überraschungsei. Für jeden weiteren Fehler, den Sie darüber hinaus finden, erhalten Sie noch ein Überraschungsei."

Du glaubst nicht, daß das funktioniert? Ich bin auf diese Weise schon reichlich Überraschungseier losgeworden. Ganz nebenbei sind dabei ein paar kniffelige sachliche Fehler und Mißverständnisse auf der Strecke geblieben, die sonst vielleicht heute noch in den betreffenden Softwarehandbüchern herumgeistern würden.

Natürlich setzt das voraus, daß Deine Ansprechpartnerinnen Spaß verstehen. Gleich beim ersten Auftrag für einen neuen Kunden solltest Du diese Methode vielleicht nicht anwenden. (Humorlose Menschen könnten Dich für unseriös halten.)

Weniger verspielt, aber fast ebenso wirksam ist die seriös getarnte Variante: "Beim Überfliegen der Korrekturfassung sind mir selbst noch einige Fehler aufgefallen, über die Sie sicherlich auch stolpern werden. Bitte markieren Sie sie trotzdem, ich arbeite dann alle Korrekturen zusammen in einem Durchgang ein."

Die meisten Leser werden daraufhin sehr sorgfältig korrigieren, denn es wäre ihnen peinlich, die Fehler zu übersehen, die Du allein durch bloßes "Überfliegen" finden konntest. Diese Methode ist etwas berechnend und nicht so ehrlich wie das Überraschungseier-Quiz. Sie eignet sich aber trotzdem gut, wenn Du es mit einem eher förmlich-korrekten Ansprechpartner zu tun hast, der keine Schokolade mag... ;o)

Natürlich geht es auch ganz sachlich, nüchtern und geschäftsmäßig: "Anbei sende ich Ihnen die abschließende Korrekturfassung des Manuskripts zur Prüfung auf Vollständigkeit und sachliche Richtigkeit..." Aber wer sagt eigentlich, daß es im Arbeitsleben immer nur sachlich zugehen muß?

© Meg Palffy 12/2001

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