die Sanftmut der Baumwollpflückerin

Hast du dich schon mal gefragt, warum es die Sanftmut heißt und nicht der Sanftmut? Ganz einfach: weil Sanftmut nichts mit Mut zu tun hat, auch wenn es vielleicht zuerst so klingt.

Die Sanftmut ist eine letzte Zuflucht für Leute, die sich keinen Mut erlauben können. Sie hilft der Baumwollpflückerin, die gebückte Haltung zu ertragen. Sie hilft beim Singen von Gospelliedern in einer aussichtslosen Lage, beim Vertröstenlassen auf eine heile Welt im Jenseits, auf der anderen Seite des Flusses... Wenn die Baumwollpflückerin keine Sanftmut besäße, würde ihre eigene Wut sie zugrunde richten.

Wenn Frauen dir sanftmütiger vorkommen als Männer, dann ist das keine Frage der Gene oder der Hormone. Es hat auch nichts damit zu tun, daß wir die Kinder gebären. Es ist eine Überlebensstrategie, die Töchter von ihren Müttern lernen. Die weibliche Sanftmut ist eine gebückte Haltung der Seele, entstanden in Jahrhunderten der Abhängigkeit.

 

©2001/2004
Meg Palffy