es geschieht nicht mir

Er braucht die Pornos nur, um sich abzureagieren, wenn ich nicht da bin, sagt der Mann, der mich liebt. Damit er ausgeglichen ist, denn sonst macht ihn der Alltag irgendwie unzufrieden. Und ohne Vorlage kann er nun mal nicht. Das hat nichts mit dir zu tun, sagt der Mann, der mich liebt. Das eine ist Liebe, das andere ist doch nur der Trieb.

Was wir zusammen tun, sieht genauso aus wie das, was die Leute auf diesen Bildern tun. Ich sehe keinen Unterschied. Er kann mir nicht erklären, wie ich das eine vom anderen unterscheiden soll. Aber das hat nichts mit dir zu tun, sagt der Mann, der mich liebt. Mit dir ist es viel schöner. Das liegt an der Liebe, sagt er. Dadurch ist alles ganz anders. Ich kann mir nicht helfen: für mich sieht es trotzdem genauso aus.

Ich möchte wirklich glauben, daß es nichts mit mir zu tun hat. Solange ich das glaube, kann ich noch bei ihm bleiben. Sonst müßte ich ihn verlassen.

Mein Körper ist ein Kochtopf für heiße, dumpfe Wut. Wenn es darin brodelt, kann ich tagelang nichts essen. Mein Hals ist zugeschnürt, als müßte ich mich übergeben.

Mein Körper ist Friedhofsdünger. Unter einem Stein sind meine Träume von Liebe vergraben.

Mein Körper ist ein Werkzeug, um mein Gehirn von einem Ort zum anderen zu schaffen. Mein Gehirn ist der Kampfplatz tausender ausgerasteter Gedanken.

Mein Körper ist das Gefäß, in dem ich meinen Selbsthaß aufbewahre. Ich verstehe schon, warum sich manche Frauen vor Züge werfen: um ihren Körper kaputtzumachen, damit sich nie wieder jemand daran aufgeilen kann.

 

©2001/2004
Meg Palffy