In der Zeitung lese ich, daß jedes Jahr 300.000 Frauen aus Osteuropa in den westeuropäischen Ländern zur Prostitution gezwungen werden. Wenn ich das höre, könnte ich vor Wut kotzen.
Sie bewerben sich in ihrer Heimat auf Zeitungsanzeigen, in denen angeblich Kindermädchen und Haushaltshilfen für westeuropäische Familien gesucht werden. Dann werden sie von Menschenhändlern auf Umwegen durch verschiedene Länder gekarrt, deren Sprachen sie nicht sprechen. Ihre Papiere nimmt man ihnen ab, damit sie nicht weglaufen können.
Am Ende der Reise werden sie an irgendwelche Zuhälter in Deutschland, Frankreich, Italien verkauft und dort brutal zur Prostitution gezwungen. Geld sehen sie keins. Und oft auch nicht viel Tageslicht.
Falls es ihnen gelingt, sich zu befreien, werden sie als "Illegale" ausgewiesen, bevor es überhaupt zu einem Gerichtsverfahren gegen die Täter kommen kann. Das schützt die Zuhälter und tritt die Menschenrechte mit Füßen. Seit wieviel hundert Jahren soll es angeblich keine Sklaverei mehr geben?
Tja... bis hierher hat mir noch nie jemand widersprochen. Alle finden es "wirklich schlimm, daß es sowas noch gibt". Aber jetzt denk mal weiter, setz dich mal nicht zu früh auf deinem bequemen Betroffenheitspolster zur Ruhe...
Den wirklich kritischen Punkt verdrängen wir nämlich gerne, weil er nicht in unser sauberes, heiles Leben paßt. Der wirklich kritische Punkt ist der: Dieser ganze menschenverachtende Dreck funktioniert deshalb so wunderbar, weil es bei uns, in unseren aufgeräumten, westlich demokratischen Musterländern einen riesengroßen Markt dafür gibt.
Jede Frau sollte gründlich nachrechnen, bevor sie sagt: Mein Mann aber nicht... Wieviele Kunden sind nötig, um aus der Prostitution ein solches Millionengeschäft zu machen? Warum ist die Branche "Menschenhandel" so erfolgreich? Weil unsere Männer sie finanzieren, deshalb.
©2001/2004
Meg Palffy