Meine Wut beschreiben? Das ist nicht so leicht, wenn ich grade nicht wütend bin...
Eine düstere, böse Energiequelle, die sich in mir auftut. Alles, was Rot in mir ist, explodiert. Sie ist rücksichtslos nach außen, aber auch nach innen. Was mir passieren könnte, kann mir nicht wehtun, auch nicht mein eigener Schmerz. Fatalismus. Der Schmerz macht nichts aus, stachelt mich nur an zum Kampf.
Ich bin wie eine Kriegerin mit Schutzschild und Rüstung, und die Wut ist eine Zauberkraft, die mich unbesiegbar, unverwundbar macht. Die Wahrnehmung ist ganz auf den Kampf beschränkt, alles andere verblaßt. Ich bin total wach dabei, aber ich kenne nur noch eine Richtung. Ich bin ein Fünfunddreißigtonner, der unaufhaltsam in eine Richtung rast, bei dem die Bremsen nicht mehr funktionieren. In meinem Kopf tobt ein schrilles Indianerlied, "...Lightning Woman, Thunder Child...", ungefähr so wie die Stimme von Buffy Sainte-Marie, kennst du die? Schrill vibrierend und wunderbar, rüttelt dich auf und macht dich unverwundbar.
Früher war das wie ein Strom, der mich mitreißt, in dem ich nicht schwimmen kann. Inzwischen habe ich gelernt, auf meine Wut besser aufzupassen, und falle ihr nicht mehr selbst zum Opfer. Jetzt ist sie ein gleißendes Licht, das beim Klarsehen hilft, und dabei, radikal Nein zu sagen, wenn es nötig ist. Ein Funke, der alten Ballast abfackelt, diesen ganzen Kram, der mich einengt. Ein Schwert, das ich gelernt habe zu führen - ich schneid mir nicht mehr selbst in den Finger damit...
Eine positive Kraft - na, jedenfalls positiv für mich, zu meinem eigenen Nutzen, nicht unbedingt für diejenigen, die sich mir in den Weg stellen und mich festhalten wollen... also nicht für die, die ich in meiner Wut "dahinraffe". Sie läßt mich rücksichtslos werden gegen alles, was sich nicht richtig anfühlt. Das ist wie Unkraut jäten: das alte Zeug muß weg!
©2001/2004
Meg Palffy