die richtige Adresse

Meine Therapeutin hat vor den Ferien zu mir den Satz gesagt: "Du mußt Deine Wut spüren und zulassen." Es war nicht das erste Mal, daß ich diesen Auftrag bekommen habe. Leider hat sie mir nicht verraten, wie das funktioniert. Mehr als: "Die selbstgefundenen Ostereier sind die besten!" ist ihr da nicht zu entlocken. Sehe ich ja auch ein.

Aber wie, verdammt noch mal, finde ich diese Wut, die da in mir sein soll? In welchem Winkel versteckt sie sich schon so lange so erfolgreich? Wie komme ich ran an sie, wenn sie zu spüren doch so heilsam sein soll?

Eigentlich ist es ja verständlich, daß sie sich versteckt - wo ist sie denn schon willkommen? Vielleicht sollte ich mal versuchen, mir ihr zu reden, sie bitten, sich hervorzutrauen.

Und dann?

Ich glaube, die Angst vor dem "dann" hindert mich daran, sie zuzulassen und zu spüren.

Oh, so ganz unbekannt ist sie mir eigentlich gar nicht. Aber wenn sie mir dann begegnete, habe ich sie in die falschen Bahnen gelenkt. Heute verstehe ich, daß es nicht sinnvoll ist, sich selbst Schmerzen zuzufügen, wenn man eigentlich auf andere wütend sein müßte. Und doch funktioniert dieser Mechanismus - einmal gelernt - auch heute noch sehr gut.

Aber ich weiß jetzt, daß ich mich schnell nach dem richtigen Empfänger für meine Wut umsehen muß, und daß ich da die falsche Adresse bin.

 

©2001/2004
Meg Palffy