wohnen zu eins in acht Ecken

Als es im Kunstunterricht um Architektur und Baukunst ging, hatten wir einmal die Aufgabe, einen Grundriß für ein Gebäude zu entwerfen. Der Grundriß sollte auf geometrischen Grundformen aufgebaut sein.

Ich hab ein Wohnhaus entworfen, das acht Ecken hatte, wie ein Stopschild. Rundum waren Fenster zum Garten und mehrere Terassentüren, und im Inneren gab es nur einen einzigen großen Raum, keine abgeteilten Zimmer. Die Küche war eine Insel mitten drin, und an der Seite gab es einen kleinen Schlafbereich. Nur ein Raum, luftig und hell.

Und für genau eine Person. Für mich. Zu zweit hätte man in meinem Haus nicht wohnen können, dafür wäre es viel zu klein gewesen. In meinem Haus hatte niemand anders was zu suchen.

Niemand, den ich kenne, wollte so dringend erwachsen sein und hat so intensiv darauf hingelebt wie ich. Das war mein Ziel, so lange ich denken kann. Und ich wollte niemals zu zweit oder dritt wohnen. Immer zu eins.

 

©2001/2004
Meg Palffy