Sonntagmorgen, die Nacht war kalt. Bevor um halb sechs der Wecker klingelt, bin ich schon wach. Kurzes Frühstück, Tasche packen, dann geht es los.
Wir fahren durch das stille Morgenlicht. Dichter Nebel liegt im Tal, als wir es durchqueren, aber oben am Flugplatz ist der Himmel klar.
Ich darf beim Tanken helfen. Das Flugzeug durchchecken, alles OK. Einsteigen, anschnallen, Tür zu und verriegeln, Motor an. Der Pilot erklärt mir die Instrumente. Dann los, letzter Check am Rollhalt, Meldung per Funk an den Flugleiter, und auf die Startbahn rollen.
Die Startbeschleunigung - nicht ganz wie beim Airbus, aber trotzdem muß ich lachen, als wir abheben.
Die Welt fällt runter, und wir steigen auf. Das Stück Boden, das uns eben noch trug und festhielt, ist jetzt irgendwo da unten, hinter uns. Hier oben ist nur noch die Luft. Die trägt uns leichter und freier, gibt uns freundliche kleine Schubse, aber sie läßt uns nicht fallen. Jetzt bin ich ganz wach!
Als wir weiter oben sind, zeigt mir der Pilot, wie das Flugzeug die Nase senkt, wenn man kurz das Gas wegnimmt. Wir sacken ein kleines Stück ab, mein Magen macht einen Hüpfer, und schon wieder muß ich lachen. Nochmal bitte! Mehr!
Am Horizont liegt Dunst, die Felder und Hügel von hier oben maigrün und frisch. Der Kleinkram verschwindet und macht Platz für das Ganze.
Wir überfliegen das neblige Tal, das wir vorher im Auto durchquert haben. Der Nebel liegt darin wie leichte Zuckerwatte, darauf das klare, rosig-blaue Morgenlicht, ich möchte es mit den Augen streicheln.
Anderthalb Stunden sind wir in der Luft. Wälder und Flüsse, Dörfer und Straßen von oben. Wir kreisen um die Gipfel dreier Berge. Eine Kirche, eine Burg, ein Aussichtsturm.
Kleine Böen spielen mit uns, die Thermik trägt uns höher. Eine leichte Wolke verweht sich über uns, und die Sonne löst sie auf, fast während wir zusehen.
Die Zeit verfliegt, viel zu bald ist es vorbei. Zurück zum Flugplatz, Meldung per Funk. Turbulente Kurve im Landeanflug, sinken, sinken, und weiche Landung auf der Graspiste. Die Erde hat mich wieder - vorläufig jedenfalls, denn das letzte Mal war es sicher nicht.
Den ganzen Tag bin ich noch voll vom Fliegen, fühle im Gehen jeden Windhauch.
Meine Füße gehn auf festem Grund,
aber viel leichter jetzt
als gestern noch.
So viel Luft und Licht macht helle Augen.
My eyes have seen the beauty of the Lord. ![]()